Was bedeutet Viskosität?
Viskosität ist das Mass für die Zähflüssigkeit eines Öls. Unter Viskosität versteht man die
Eigenschaft einer Flüssigkeit, ihrer Verformung einen Widerstand entgegenzusetzen. Der
Verformungswiderstand ist bei dünnflüssigem Öl (niedrige Viskosität) gering, bei zähflüssigem Öl
(hohe Viskosität) hingegen gross. Allerdings ändert sich die Viskosität eines Öls mit der Temperatur:
Bei Erwärmung nimmt sie ab, bei fallender Temperatur nimmt sie zu.
In der Praxis wird jedoch ein Öl benötigt, dessen Viskosität von Temperaturänderungen nur wenig
beeinflusst wird. Schliesslich soll es sowohl beim Kaltstart bei sehr niedrigen Temperaturen eine
rasche Durchölung ermöglichen aus auch bei grösster Hitze noch über eine ausreichende
Schmiersicherheit verfügen. In diesem Punkt sind die synthetischen Öle mit ihrer natürlichen
Mehrbereichs-Charakteristik den mineralischen Grundölen überlegen, da sie bereits ohne Zugabe
von Additiven deutlich temperaturstabiler sind. Sie eignen sich daher besonders gut für
Hochleistungsöle, die mehrere Viskositätsbereiche - eingeteilt in SAE-Klassen - abdecken sollen.
SAE 0 W (W bedeutet Winter) ist derzeit die dünnflüssigste Sorte für den Einsatz in Motoren,
SAE 60 die dickflüssigste. Das Kürzel SAE 10 W-40 kennzeichnet ein Mehrbereichsöl,
das sich bei Kälte wie ein SAE 10 W verhält und bei hohen Temperaturen wie ein SAE 40.
Tab. 1: Temperaturbereiche der
SAE-Bezeichnungen
| SAE-Bezeichnung |
Temperaturbereich in Grad Celsius |
| SAE 20 |
-20 bis +10 |
| SAE 30 |
0 bis +30 |
| SAE 40 |
+20 bis +50 |
| SAE 20 W-50 |
-10 bis + 50 |
| SAE 15 W-50 |
-20 bis +40 |
| SAE 15 W-40 |
-20 bis +30 |
| SAE 10 W-40 |
-30 bis +15 |
| SAE 10 W-30 |
-30 bis +5 |
| SAE 5 W-50 |
-30 bis +40 |
Spezifikationen
Das bedeuten die Abkürzungen:
API ist die Abkürzung für das American Petroleum Institute, das Motoröle nach
Buchstabenkombinationen klassifiziert. Der erste ist bei Ottomotoren ein S, der zweite
sollte bei den meisten Motorradmotoren ein G sein (Herstellerangaben im Handbuch beachten).
Die europäische
CCMC-Spezifikation wurde ab 1996 von der
AECA (Association
des Constructeurs Europeens de Automobiles) ersetzt. Diese macht Viertakt-Motoröle mit dem
Buchstaben A in Verbindung mit aufsteigenden Ziffern kenntlich; derzeitiges Optimum ist die
Kombination A3.
JASO MA (Japan Automobile Standards Organization) steht seit Mitte 1999
für die weltweit einzige Spezifikation speziell für Viertakt-Motorradöle.
Tipps rund ums Öl
Allgemein
Benutze grundsätzlich Öl mit der vom Motorrad-Hersteller für die jeweiligen
Einsatzbedingungen empfohlenen Viskosität.
Achte beim Kauf auf die empfohlene API-Spezifikation, sie ist zumindest ein Indiz für
die Qualität. Die JASO MA ist noch relativ neu, Öle ohne diese Spezifikation müssen nicht schlechter sein.
Wähle auf jeden Fall ein spezielles Motorrad-Öl, denn dies enthält Grundöle und Additive,
die für die scherende Belastung in Kupplung und Getriebe besonders geeignet sind.
In der Regel reicht im Alltagsbetrieb ein gutes Mineralöl. Bei manchen extrem belasteten
Motoren ist synthetisches Öl vorgeschrieben. Ein Wechsel von Mineral- auf Synthetiköl ist bei hohen
Belastungen zum Beispiel auf der Rennstrecke oder bei aussergewöhnlichen Einsatzbedingungen, etwa
häufigen Kaltstarts im Winter, angebracht.
Benutzein der Einfahrzeit Mineralöl, auch wenn Du später ein synthetisches Öl verwenden
willst. Das fördert den anfangs gewünschten Verschleiss, die Lagerpaarungen und Zahnräder spielen sich
besser aufeinander ein. Die Einlaufphase, in der ein Motor nicht hart rangenommen werden sollte, wird
verkürzt.
Viele Motorradhersteller oder -Importeure haben Verträge mit Ölfirmen. Du musst jedoch nicht
zwingend das vom Motorradhersteller vorgeschlagene Öl verwenden, solange Viskosität und
Klassifizierung stimmen. Für Garantie und Gewährleistung muss das Motorrad jedoch nach Inspektionsplan
in der Werkstatt gewartet werden.
Halte dich an die vorgegebenen Wechsel-Intervalle. Häufigeres Wechseln bringt bei einem
guten Markenöl in modernen Motoren nichts. Längere Intervalle schaden auf jeden Fall. Wer von
Mineral- auf Synthetiköl umstellt, sollte danach den ersten Wechsel auf etwa zwei Drittel der
angebenen Distanz verkürzen, da das Synthetiköl unter Umständen Ablagerungen löst.
Bei Old- und Youngtimern ohne vernünftige Ölfilterung oder bei Motoren ganz ohne Filter
(z.B. viele Husqvarna-Enduros) kann der Abrieb mit dem Öl umgewälzt werden. In solchen Fällen ist ein
häufiger Ölwechsel unbedingt nötig.
Fahre den Motor immer vorsichtig warm. Moderne Motoren sind in diesem Punkt zwar nicht
mehr so kritisch, trotzdem verringert das Warmfahren den Verschleiss und erhöht die Lebensdauer
deutlich.
Tausche beim Ölwechsel regelmässig nach Herstellervorgabe den Ölfilter. Alte Filter können
verstopfen und den Ölkreislauf beeinträchtigen. Ausserdem wird so auch das im Ölfiltergehäuse
enthaltene Altöl getauscht.
Wer im Winter fährt, sollte auf Öl mit hoher Viskositätsspanne wechseln, das sind durchweg
synthetische Öle. Dadurch werden die Schmierung und das Startverhalten verbessert.
In der Werkstatt
Frage vor der Inspektion bei Abgabe der Maschine, welche Ölfabrikate deine Werkstatt führt.
Evtl. kannst du jetzt noch Wünsche anbringen.
Teile mit, welche Ölsorte du willst, ob Mineralöl, synthetisches oder teilsynthetisches
Öl. Lasse dich beraten, aber nicht unnötig zu teures Öl aufschwatzen lassen !
Kontrolliere, ob auf der Rechnung die genaue Ölsorte und der Preis aufgeführt sind.
Wechsle möglichst nicht die Ölsorte, wenn du mit der alten zufrieden bist. Klebende
oder rutschende Kupplungen lassen sich so vermeiden.
Teile der Werkstatt mit, ob dein Motorrad in der letzten Zeit Öl verbraucht hat. Zu hohem
Verbrauch muss die Werkstatt auf jeden Fall nachgehen.
Falls zu hoher Ölverbrauch der Grund für einen Werkstatt-Aufenthalt ist, hole einen
Kostenvoranschlag ein - es kann teuer werden.
Kontrolliere, ob ein nach Wartungsplan fälliger Ölfilter auf der Rechnung auftaucht.
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